Tour #13: Thüringer Goethe-Reise
Mit der Postkutsche auf der Klassikerstraße
4 Tage, 5 Nächte
Hoch auf dem gelben Wagen:
Wer kennt nicht diese populäre
Volkslied, dessen Text von dem Thüringer Dichter Rudolf Baumbach (1840-1915)
stammt? Es erinnert an eine Zeit, lange bevor es Eisenbahnen, Autos und
Flugzeuge gab, als die Post die einzige Institution für eine regelmäßige
Beförderung von Nachrichten und Personen war.
Thüringen mit seiner zentralen Lage verfügte im 18. und 19. Jahrhundert über ein
gut ausgebautes Netz von Postverbindungen. Die großen Nord-Süd- und
Ost-West-Verbindungen durchquerten seine Territorien. In Erfurt, dem Mittelpunkt
des Thüringischen Post- und Geleitwesens, kreuzten sich die beiden wichtigsten
deutschen Handelsstraßen. Mit der Beförderung schriftlicher Nachrichten waren
der Frachtverkehr und der Postreiseverkehr für Personen verbunden. Noch reiste
man zu Fuß, aber auch zu Pferd und, mit der Verbesserung der Wege, auch
zunehmend mit der Kutsche. Die in gemächlicher Fahrt durch die Lande fahrenden
Postkutschen ermöglichten die aufkommende Reiselust, sie erschlossen die
europäische Welt. Der Ausbau fester Straßen, der sogenannten Chausseen,
erleichterte ein schnelleres und gefahrloseres Vorankommen. Es war die Zeit der
Grenzsteine, der Postmeilen- und Wegesäulen, die Richtung und Entfernung
anzeigten. Die Buntheit der damaligen Postillionsmonturen kennzeichnete zugleich
die staatliche Zersplitterung der thüringischen Heimat, bis es eine einheitliche
Reichspost gab. An den Poststationen, den sogenannten Relais, fanden die
Postillione die notwendige Ausrüstung an Material sowie die Wechselpferde vor.
Doch den Anforderungen des neuen industriellen Zeitalters genügte dieses Verkehrsmittel bald nicht mehr, die Postkutschenzeit ging mit dem Siegeszug der an Geschwindigkeit überlegener Eisenbahn zu Ende. Das Traben der Rosse, das Rollen der Eisenräder, das Blasen des Posthorns sind verklungen. Postkutsche, Postillion und Posthorn aber wurden zu Symbolen der guten alten Zeit, die in der Erinnerung oft farbiger, gemütvoller, gediegener und malerischer erscheint. Es gibt Erinnerungen, die an poetischem Reiz gewinnen, je mehr sie im Laufe der Zeit verblassen. Weit mehr als ein Jahrhundert ist nunmehr vergangen, seit Menschen, die reisen wollten, sich der Postkutsche anvertrauten.
Unwillkürlich drängen sich Bilder der Vergangenheit auf, wenn wir heute von Postkutschen und Postillionen hören oder lesen. Der „Schwager“, mitunter auch sein Conducteur, saß vorn auf dem Bock. Er trug die ganze Verantwortung für Wagen, Pferde, Passagiere, und war Wind und Wetter, mitunter auch Überfällen ausgesetzt. Die Passagiere mussten sich zur angegebenen Zeit im Posthaus einfinden, die Postkutsche brauchte nicht zu warten. Die Reihenfolge bei der Einnahme der Sitzplätze richtete sich nach der Zeit der Anmeldung und der sofortigen Bezahlung. Eine saubere, im Winter geheizte Stube stand oft als Warteraum zur Verfügung. Der Postmeister durfte gegen entsprechende Bezahlung den Durchreisenden Essen, Tee, Kaffee und Wein anbieten sowie zur Nachtzeit ein Lager. Nicht von ungefähr befanden sich daher Posthalterei und Postexpedition meist in einem Gasthof. Jeder Benutzer erhielt einen Postzettel, auf dem vermerkt wurde, mit wieviel Pferden und zu welcher Zeit die Postkutsche angefahren war. Der Beleg diente als Kontrolle des Postillions, der diesen, mit einer Einschätzung des Reisenden versehen, bei der Ausgangsstation wieder abliefern musste.
Das Posthorn hat bis heute einen hohen Symbolwert. Es wurde von der Einfahrt durchs Stadttor bis zur Post geblasen. Die Festlegung bestimmter Signale war von besonderer Bedeutung: Schon von der Ferne konnten Extrapost, Schnellpost oder Reitpost unterschieden werden. Vor allem wußte man in der Posthalterei auf Grund der Signale, wieviel Pferde benötigt wurden, ob der Postillion einen neuen Wagen oder gar Ablösung brauchte oder ob er ausspannen würde. Der Klang des Posthorns konnte aber auch „Zur Hilfe“ bedeuten.
Johann Sebastian Bach, Georg
Friedrich Händel oder Robert Schumann verarbeiteten Posthornthemen. Für Johann
Wolfgang Goethe, einem der reisefreudigsten Dichter seiner Epoche, wurde die
Postkutschenreise in seinem Gedicht „An Schwager Chronos“ gar zum Gleichnis für
die Lebensreise schlechthin. Adalbert von Chamisso, Joseph von Eichendorff und
Heinrich Hoffmann von Fallersleben besangen die Post, den Postillion, das
Posthorn. Viele Maler widmeten sich diesem Thema.
Das Reisen mit der Postkutsche mag mühevoller als in der Gegenwart gewesen sein,
langweiliger war es keinesfalls. Der Reisende nahm die Eindrücke nicht übereilt
auf und berichtete über das Erlebnis der Reise in langen Briefen.
Das Verkehrstempo wurde immer
eiliger. Das Klappern der Hufe, der Klang der Glocken am Geschirr und der Ruf
aus dem Horn sind heute wie eine Melodie aus längst vergangenen Tagen. Ein Stück
Poesie ist mit der Postkutsche entschwunden, die der Bevölkerung ans Herz
gewachsen war. Heute wird bereits die Eisenbahn romantisierend betrachtet.
Doch Vergangenes kann erlebbar werden; ein Postillion in Original
Postillionsmontur lenkt die schwere vierspännige Postkutsche aus dem Jahr 1860.
Die Kutsche bietet Platz für 9 Gäste. Sie werden überrascht sein vom Komfort
dieser Reisekutsche und von der Aussicht, die diese von den hohen Sitzen bietet.
Die Fahrgäste werden das Reisegefühl unserer Vorfahren empfinden, die
Natürlichkeit der Fortbewegung erleben und vielleicht die von Goethe und
Eichendorff empfundene Poesie des Reisens erfahren.
Reiseplan:
Inbegriffen im Preis:
4-tägige Postkutschenreise
5 Übernachtungen (3x 4* Hotels, 1x 3* Hotel, 1x Hotelpension) mit Frühstück
Gepäcktransfer
Auf Wunsch:
Am 1. Tag: Stadtführung in Weimar
Abendessen im „Elephantenkeller“
Am 2. Tag: ein Kammerkonzert
Am 3. Tag: Gourmet-Essen im Berg- und Jagdhotel Gabelbach
Am 4. Tag: zur eigenen Verfügung
Am 5. Tag: Theaterbesuch in Meiningen, Abendessen im „Sächsischen Hof“
Transfer Ihres Wagens von Weimar nach Meiningen